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Lass Los...

Es gibt nicht den ultimativen Tipp, um belastende Gefühle und Gedanken einfach mal so loszulassen. Sie nagen und zerren an unserem Vertrauen in uns selbst. Sie machen aus Mücken Elefanten und kreieren Horrorszenarien. Sie rauben unsere Energie und vergeuden im weiteren Verlauf, je nachdem, um welches Thema es sich handelt, kostbare Lebenszeit.

Das Thema >Trauer< ist noch, um einiges schwieriger loszulassen.

 

 


Ignorieren ist kaum möglich und verdrängen, mit dem Hintergedanken, dass sich das schon von alleine wieder regeln wird, ist eine Illusion.

Was also tun?
Vor dem eigentlichen Akt des >Loslassens< steht das Akzeptieren einer Handlung oder eines Umstandes. Die Akzeptanz des Resultats einer Handlung die man, egal aus welchem Grund, zu diesem Zeitpunkt nicht anders ausführen konnte. Beispiel: Ist familiäre Gewalt ein Thema und einer der Partner entscheidet sich zu Schutze der Kinder zu einer Trennung, ist das eine klare Handlung. Natürlich kann man sagen, es ist auch eine Handlung aus den Umständen heraus, aber das stimmt nur teilweise. Hier hat / hätte man, je nach Stärke der eigenen Persönlichkeit, dennoch Einfluss auf das Resultat bzw. die Konsequenzen die sich daraus ergeben.

Das Akzeptieren eines Umstandes, auf dessen Auswirkungen ich keinerlei Einfluss habe, ist etwas anders. Hier handelt es sich um eine unumstössliche Tatsache. Beispiel: Wenn eine Firma aus wirtschaftlichen Gründen, oder wie im aktuellen Zeitgeschehen aus der Corona Krise heraus Mitarbeiter entlassen wird, ist das ein Umstand, auf den man keinerlei Einfluss hat. Auch ein unerwarteter Todesfall, eine unheilbare Krankheit oder auch die Angst vor dem Älter werden sind ein Umstand.

Es ist sehr wichtig zu differenzieren, ob es sich um einen Umstand oder eine Handlung handelt, denn die emotionalen Auswirkungen sind doch etwas unterschiedlich in der Anfangsphase.

Zu einer Handlung kreiert unser Verstand als erstes ein schlechtes Gewissen. Nagende Fragen wie: >warum habe ich das gemacht<, >hätte ich nicht lieber noch warten sollen<, >ist meine Entscheidung rücksichtslos, bin ich zu egoistisch gewesen< usw. Themen, die dazu gehören, sind z.B. Selbstwert und Selbstliebe.

Wenn es sich um einen Umstand handelt, steht an erster Stelle die Ohnmacht  / Machtlosigkeit oder auch  die Hilflosigkeit. Das bisherige Leben wirkt wie eingefroren. Es macht bewegungsunfähig bis hin zur Schockstarre. Themen sind hier z.B. Stagnation und Minderwertigkeitskomplexe.

Wie kann ich loslassen lernen?
Wie alles im Leben ist auch das Loslassen ein Prozess, der nicht von heute auf morgen passiert. Man muss sich auch vor Augen führen, dass man selber die Schlüsselfigur ist. Nicht die Umstände gilt es loszulassen, sondern ich muss mich selber mit all meinen Gefühlen, Ängsten und sich daraus ergebenden Emotionen loslassen. Erst dann ist es möglich, sich den daraus resultierenden Konsequenzen zu stellen und Lösungen zu erarbeiten. Loslassen erfordert daher als erstes Mut. Den Mut, sich dem zu stellen, was einem belastet oder herunterzieht. Ohne das ich mich meiner Situation oder Problematik gestellt habe, wird > loslassen< nur oberflächlich funktionieren. Es werden nur die Auswirkungen oder Symptome losgelassen aber nicht die Grundproblematik. Selbstverständlich, kann ich auf meinen Chef sauer sein, dass er ausgerechnet mir die Kündigung ausgesprochen hat! Er kann aber nichts dafür, wie ich es empfinde oder was es bei mir auslöst. Das hat einzig und alleine mit meinem Lernprozess innerhalb meines Lebens zu tun. Auch wenn ich eine unumstössliche Tatsache nicht ändern kann wie z.B. ein Gerichtsurteil etc., ist die Möglichkeit, das ich mich selber verändere, dennoch gegeben.

Für das Treffen von Entscheidungen gibt es kein wirkliches Zeitfenster. Diese Begrenzung (die Intensität ist vom derzeitigen Lebenslevel abhängig) setzten wir uns selber oder andere für uns. Ich stelle mir oft die Frage, was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn ich dies oder jenes tue oder eben nicht tue? Wird sich deswegen die Welt nicht mehr weiterdrehen? Nein! Wird mein bisher gelebtes Leben dann in Trümmern liegen? Ja vielleicht, aber immer mit der Option für einen Wiederaufbau.

Jeder sollte sich deshalb genau so viel Zeit nehmen wie er dazu benötigt und sich durch nichts und niemanden unter Druck setzen lassen. So wie es ist, ist es richtig. Denn nur mit der, für den gegenwärtigen Lebenslevel richtigen Entscheidung, wird man auf seinem Weg weiter wachsend vorangehen. Auch wenn die Entscheidung sich im Nachhinein als falsch herausstellt, ist das nicht schlimm, denn genau dadurch, dass man sich dieser Entscheidung voll bewusst gestellt hat, wird man daraus viel Kraft schöpfen.


In unseren Workshops begleiten wir dich gerne auf deiner Reise zu dir selbst.

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